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2015 Acolon Kabinett trocken

Weingut Knoblach, Nordheim

Innerhalb kürzester Zeit stelle ich Ihnen heute den zweiten Wein aus der Rebsorte Acolon vor! Purer Zufall, mehr nicht. Aber trotzdem eignet sich der Wein aus der Neuzüchtung (Lemberger X Dornfelder) hervorragend, um ein bestimmtes Thema aufzugreifen: den Anlass-Wein.

Ich bin mir nicht sicher, ob das ein spezifisch deutsches Thema ist, aber man gewinnt irgendwann zwangsläufig den Eindruck, dass wir Deutschen 2015-acolon-kabinett-trocken-bxflascheimmer einen Anlass für alles brauchen. Angefangen beim Sommer- bzw. Terrassen-Wein oder dem Spargel-Wein bis hin zum Party-Wein. Eigentlich sollte der Akt des Genusses für sich genommen bereits Anlass genug sein. Worauf warten, weshalb um bestimmte Flaschen im Weinkeller immer einen Bogen machen und auf einen „besonderen Anlass“ warten? Jeder Tag im Leben bietet Anlass genug. Ganz im Sinne von Madame Lily Bollinger, welche 1961 in London weilend auf die Frage eines Reporters, zu welchen Gelegenheiten sie denn Champagner trinke, antwortete:

„Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“

Auch wenn ich mich tendenziell eher gegen Kategorisierungen ausspreche, so müssen Ausnahmen gestattet sein, denn der Acolon Kabinett von Familie Knoblach ist in meinen Augen der perfekte Grill-Rotwein. Frucht, Würze und Trinkfluss sind in schönster Ausprägung vorhanden. Beste Voraussetzungen, um würzige Steaks und fränkische Bratwürste vom Grill vortrefflich zu begleiten.

Mit jugendlicher, purpurroter Farbe fließt der Acolon Kabinett ins Glas. Als 2015er dürfte er vermutlich kein Holzfass von innen gesehen haben. Zumindest deutet in der Nase nichts darauf hin. Eine reintönige Frucht, welche mich in erster Linie an Blaubeeren und Holunder(-beeren) erinnert, bahnt sich ihren Weg. Aber auch würzige Noten wie Pfeffer und frisches Lorbeerblatt kommen mit zunehmender Verweildauer im Glas zum Vorschein. Aber was das Ganze so genial macht für meinen Geschmack, ist zusätzlich dieser ganz feine, dezente Geruch von rohem Fleisch, der in der Nase mitschwingt. Man kennt das unter anderem von machen Burgundern, aber auch von Syrah-Weinen der nördlichen Rhone.

Am Gaumen besitzt er jetzt bereits beträchtlichen Charme. Die Tannine sind wunderbar feinkörnig und überziehen den Mundraum wie mit einem Seidenteppich. Der Wein hat Körper, was beim Rotwein nicht unwichtig ist (mit 13% vol. Alkohol eher Spätlese als Kabinett) und er präsentiert sich mit gerade einmal 0,2 g/l Restzucker wirklich trocken im Geschmack. Hintenraus kommen dann noch im Nachhall sehr dezente Lakritznoten zum Tragen, die dem Wein, zusammen mit den Gerbstoffen, zusätzlich Struktur verleihen. Das macht wirklich großen Spass zu trinken und allein schon, um den sich zierenden Sommer herauszufordern, sollten wir auf die Kategorie „Grill-Wein“ einschwenken.


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