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2012 Blaufränkisch trocken „Reserve“ – Randersackerer Sonnenstuhl

Weingut Bardorf, Randersacker

Vor gut einem Jahr habe ich an gleicher Stelle die „normale“ Version des Bardorf’schen Blaufränklers aus dem Jahrgang 2008 vorgestellt. Dieser hatte 2012-sonnenstuhl-blaufraenkisch-reserve-trocken-bxmich damals mit seiner fruchtig-würzigen, reifen Art für sich eingenommen. Ansonsten hätte ich ihn auch nicht empfohlen. Jetzt war 2008 nicht unbedingt der beste Jahrgang der Dekade, was Rotweine anbelangt. Um so mehr war ich gespannt, was die „Reserve“-Version aus dem Top-Jahrgang 2012 zu leisten imstande ist. Der Wein lagerte über zwei Jahre in sicherlich zum größten Teil gebrauchten Holzfässern, bevor er abgefüllt wurde und erst im Jahr 2015 in den Verkauf kam.

Doch wie präsentiert sich diese Rebsorten-Rarität im Glas, von der in ganz Franken nur fünf Hektar kultiviert werden? Mit einem Wort: phantastisch!

Allein schon die Frabe ist ein Hochgenuss: Mit einem wunderbar glänzenden, durchscheinenden Granatrot fließt die Reserve vom Blaufränkisch ins Glas. Mein erster Eindruck ist: Da hat jemand genau gewusst, was er tut, und ist nicht der Versuchung erlegen, zu sehr an der Extraktionsschraube zu drehen.

Frucht und Holz halten sich, genau so wie ich das mag, die Waage. Was für eine tolle Nase!

Schwebende Eleganz ist meine erste Assoziation. Eine wunderbar reintönige, unaufdringliche Frucht, welche an reife Herzkirschen, Brombeeren und entfernt an Johannisbeer-Gelee erinnert, schwebt über einem würzigen Kern. Dieser würzige Kern beinhaltet feinste Tabak- und Gewürznoten (Piment) inklusive einer Prise frisch ausgeschabter Vanilleschote. Die Nase begeistert in jedem Fall mit fast schon burgunderhafter Pracht.

Mein nächster Gedanke beim Verkosten war, ob da der Gaumen wohl mithalten kann? In jedem Fall, wie ich finde. Der Wein gleitet über die Zunge, als ob er in eine samtene Robe gehüllt wäre. Die äußerst feinmaschigen Tannine schmeicheln dem Gaumen und machen die Bardorf’sche Reserve vom Blaufränkisch zu einem potentiellen Solisten und Kamin-Wein. Viele Rotweine verlangen aufgrund ihrer (Tannin-)Strenge nach einem begleitenden Essen. Nicht so dieser feine, elegante von reifer Frucht und wunderbarer Würze getragene Rotwein. Im Nachhall zeigen sich so zart angedeutet lakritzige Noten, welche sonst oft eine gewisse Strenge und Bitterkeit besitzen, dass man fast schon von Geschmacks-Impressionismus sprechen könnte. Hier bleibt alles fein und zart. Fast nur angedeutet. Aber irgendwie doch ganz präsent.

Bei großer Eleganz und Feinheit besitzt er dennoch Kraft und Nachhaltigkeit am Gaumen. Scheinbare Gegensätze werden spielend miteinander vereint und ergeben einen großartigen Blaufränkisch für relativ kleines Geld. In Zeiten unzähliger, überteuerter Marketing-Wein ist er seinen Preis von nicht einmal 10 Euro mehr als Wert. Ein preis-werter Wein also!!

 


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