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2015 Kerner Spätlese trocken „Alte Reben“ – Iphöfer Kronsberg

Weingut Bunzelt, Nordheim

„Alter“ Wein in neuen Flaschen. So oder so ähnlich könnte das Motto bei unserem aktuellen „Wein der Woche“ lauten. Der Wein, welchen ich Ihnen heute präsentiere, ist natürlich nicht alt, vielmehr stammt er aus dem momentan noch jüngsten, verfügbaren Jahrgang 2015. Die Moste der 2016er Ernte gären noch oder haben erst seit Kurzem ihre Gärung beendet und liegen meist noch auf der Hefe. Entweder im Holzfass oder im Stahltank.

2015-kronsberg-altereben-kerner-spaet-bbAlt sind nur die Rebstöcke von welchen die Trauben für diesen Tropfen stammen. Hier in Wein-Deutschland dürfen Reben im Schnitt ca. 25 Jahre ihre Dienste versehen. Da liegen die Bunzelt’schen Kerner-Reben im Kronsberg mit ihren 40 Jahren also deutlich darüber und gelten deshalb als „Alte Reben“. Die theoretischen Vorteile der Reben-Oldies sind von Haus aus niedrigere Erträge und tiefer reichende Wurzeln, welche für eine bessere Flüssigkeits- und Mineralstoffversorgung sorgen. In sehr heißen und trockenen Jahren leiden die Stöcke dann nicht so schnell unter Trockenstress und die bessere Mineralstoffaufnahme führt zu extraktreicheren Weinen. So die Theorie.

Das mit der neuen Flasche im Eingangssatz ist auch nicht wörtlich zu nehmen. Aber die Optik ist neu, denn mit dem 2015er Jahrgang hat Familie Bunzelt Ihre Etiketten einem Re-Launch unterzogen. Waren die alten Labels schlicht und eher herkömmlich gestaltet, so legt die neue Ausstattung mit ihrer auf Flächigkeit und grafische Wirkung setzenden Art ein deutliches Bekenntnis zur Moderne ab.

Aber noch viel wichtiger als die Optik ist natürlich der Inhalt der Flasche. Die Stunde der Gaumen-Wahrheit hat also geschlagen. Halt, stopp! Doch noch einmal zurück zur Optik! Die Spätlese von den „Alten Reben“ funkelt mit herrlich zitronengelber Schattierung im Glas.
Was erwartet man nun von einem Kerner aus „Alten Reben“? Vor allem mehr Tiefgang. Oft haben die Weine aus dieser Sorte zwar guten Alkoholgehalt aufgrund hoher Reifewerte, aber es mangelt bisweilen an Extrakt und Körper.

Die Nase duftet auf jeden Fall schon sehr vielversprechend beim ersten Hineinschnuppern in das Glas. Ein reifer, sehr reiner Ananaston tritt im Duft als Solist auf und wird von einer feinen Zitrusnote, welche eine gefühlvolle Hintergrundmusik bildet, begleitet. Auch auf dem Rückzug befindliche Hefenoten sind, quasi als Erinnerungsspuren der einstmals vollzogenen Gärung, noch wahrnehmbar.

Am Gaumen stellt sich, sobald man den ersten Schluck genommen hat, genau das ein, worauf ich gehofft hatte. Für einen Kerner besitzt die Spätlese vom „Iphöfer Kronsberg“ bemerkenswerten Extrakt. Das Mundgefühl ist von taktiler Art mit phenolischem Einschlag. Fast schon ein Wein zum Kauen. Am mittleren Gaumen kommt dann die Ananas-Zitrus-Frucht aus der Nase wunderbar zum Tragen. Der Wein reißt dann auch nicht ab, sondern bleibt sehr lange haften und entwickelt nach hinten hinaus eine wunderbar mineralische Ader, welche richtiggehend salzig ausklingt. Einer der besten Kerner meiner Weintrinker-Laufbahn!


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