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2015 Rieslaner Auslese Randersackerer Pfülben

Weingut Brand, Randersacker

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Ein wenig Lamentieren muss von Zeit zu Zeit erlaubt sein. Es ist ein Jammer mitverfolgen zu müssen, wie diese einzigartige, zudem aus Franken stammende Rebsorte, im wahrsten Wortsinne, immer weiter an Boden verliert.

1921 von Oekonomierat Dr. August Ziegler an der Bayerischen Landesanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Würzburg aus Silvaner x Riesling gekreuzt, kann sie in wenigen Jahren ihren einhundertsten Geburtstag feiern. Hoffentlich wird ihr dieses Jubiläum entsprechende Aufmerksamkeit und Interesse sowohl von Seite der Winzer, als auch der Konsumenten bescheren. Denn eines ist in jedem Falle gewiss: In den hohen Prädikaten, ab Auslese aufwärts, kann der Rieslaner seinen hochedlen Elter Riesling sogar überflügeln.

Heute habe ich nun die Ehre Ihnen ein absolutes Prachtexemplar vorstellen zu dürfen. Das Weingut Brand gehört zu den glücklichen Betrieben, welche in der Toplage des Ortes Rebflächen besitzen: dem Randersackerer Pfülben. Unter Experten ist es sogar unstrittig, dass es sich um eine der besten Lagen in ganz Franken handelt. Und genau dorthin hat Familie Brand wohlweislich ihre Rieslaner-Reben gepflanzt, denn die Sortenansprüche sind immens hoch. Das Ergebnis im Glas liefert den eindrucksvollen Beweis für die Größe dieser Rebsorte, sofern ideale Voraussetzungen, wie in unserem Fall, gegeben sind: hochedle Rebsorte, Top-Lage, Spitzenjahrgang und last but not least qualitätsbewusster Winzer.

Im Glas präsentiert sich die 2015er Auslese mit einem für diese Prädikatsstufe relativ hellem Strohgelb. Von den Werten her dürfte es sich sogar um eine abgestufte Beerenauslese handeln. Die Nase ist Rieslaner pur! Aus dem prall gefüllten Korb voller exotischer Früchte sticht eine reife Papaya mit ihren würzigen Untertönen hervor. Die Nase ist von kristalliner Reinheit und Brillianz. Die oft anzutreffenden Botrytisnoten hochgradiger edelsüßer Weine gehen diesem Elixier fast vollständig ab. Neben der ausgeprägten Exotik finde ich im Duft auch noch etwas, für mein Empfinden, sehr Sortentypisches: Anklänge von Rhabarber.

Und mit dieser nasalen Wahrnehmung können wir dann sogleich den Bogen zu den Geschmackseindrücken spannen. Meine Güte ist das gut! Man muss den Wein probiert haben, um es zu glauben. Das Süße-Säurespiel ist dermaßen ausgewogen und brilliant, dass man sofort den nächsten Schluck nehmen muss, weil man es nicht glauben mag. Am Gaumen findet sich auch geschmacklich der Eindruck von Rhabarber aus der Nase wieder in Form einer wunderbar prononcierten, animierenden Säure. Der Wein strahlt absolute Harmonie und Feinheit aus und wirkt keineswegs klebrig oder „sticky“ wie der Engländer sagen würde. Eine hochfeine, an Grapefruit erinnernde Bitternote trägt zu Spannung und Komplexität im langen Nachhall bei. Ich würde diesen großen Rieslaner-Wein am besten pur, aufgrund seiner appetitanregenden Säure gerne auch als Aperitif, trinken. Dieses echte Highlight meines Weinjahres ist zwar nicht ganz billig, aber unbedingt seinen Preis wert.


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