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2015 Bacchus: göttliche Auslese

Weingut Knoblach, Nordheim

Auch Götter haben es nicht immer einfach. In unserem konkreten Fall der Gott des Weines himself im Gewande der nach ihm benannten Rebsorte. Nicht alle Weinliebhaber 2780_2015-bacchus-auslese-suess-bb-500mlsind bereit, ihm zu huldigen, und pflegen ihre Ressentiments gegen den für Ihren Geschmack allzu süffig ausfallenden, parfürmiert bis aufdringlich daherkommenden Bacchus-Wein. Zu allem Unglück handelt es sich dann auch noch um eine Neuzüchtung ((Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau) und schon ist der Stab für alle Zeiten gebrochen über dieser für das Anbaugebiet Franken so wichtigen und wertvollen Rebsorte. Immerhin rangiert sie nach dem Müller-Thurgau und dem Silvaner an dritter Stelle der Anbaustatistik.

Zugegebenermaßen begegnet man mitunter allzu gefälligen und in ihrer anbiedernden Fruchtigkeit recht eindimensionalen Exemplaren. Aber wenn man aufgeschlossen ist und sich etwas Mühe gibt, findet man auch ganz fabelhafte Vertreter der Sorte. Sehr gute, teilweise auch knochentrockene Exemplare, können aufgrund ihres aromatischen Profils manchmal sogar an die Trendsorte Sauvignon Blanc erinnern. Aber auch im edelsüßen Bereich lassen sich echte Schätze heben. Ich erinnere mich beispielsweise noch mit Genuss an eine Trockenbeerenauslese, welche ich letztes Jahr hier vorgestellt habe.

Ganz so hoch greifen wir heute zwar nicht. Aber bei unserem aktuellen Wein handelt es sich immerhin um eine hochgradige Auslese, welche, ganz nach meinem Geschmack, eher in der traditionellen Stilistik edelsüßer Weine ausgebaut wurde. Diese beinhaltet, dass die alkoholische Gärung nicht schon bei relativ niedrigen Alkoholgraden von 7-8 % vol. gestoppt wird und entsprechend viel Restsüße erhalten bleibt, sondern der Most vergärt weiter – in unserem Fall bis 13% vol. Alkohol – und der fertige Wein ist weniger süß. In der Summe ergibt dies eine wunderbare Auslese mit weiniger Charakteristik und relativ kräftigem Körper. Die Nase bietet ein absolut berauschendes, sinnenfrohes und sortentypisches Parfum: Im Mittelpunkt steht eine „fleischige“, traubige Frucht samt Lychee-Einschlag, um welche sich, geradezu irisierend, würzige, leicht rauchige und auch florale Noten guppieren.

Im Geschmack kommt dann die von mir bereits erwähnte „alte Stilistik“ voll zum Tragen. Am Gaumen besitzt die Knoblach’sche Auslese durch ihren kräftigen Körper eine feurige Art, ohne aber brandig zu sein. Man hat wirklich das Gefühl einen Wein zu trinken und eben nicht einen Likör. Neben der traubig-würzigen Frucht (Holunderblüte) kommt im ellenlangen Nachhall eine von der Botrytis herrührende, hauchzarte Bitternote zum Tragen, welche dem Wein zusätzlich Komplexität verleiht. Auch eine gewisse, salzige Note macht sich breit, so dass mit süß, sauer, salzig und bitter sämtliche Geschmacksqualitäten vertreten sind. Und das Geheimnis liegt, wie so oft, in der Harmonie der einzelnen Komponenten begründet. Eine wunderbare, Harmonie ausstrahlende, nicht zu süße, edelsüße Auslese. – Göttlich.

 

 


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