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2015 Bacchus Kabinett – Terrassenwein

Winzerhof Schick, Zeil am Main

Ich habe der Sorte mein erstes magisches Weinerlebnis zu verdanken. Nie werde ich den Moment vergessen, als ein kleiner Schluck einer 1976er Bacchus Beerenauslese meinen Gaumen berührte und mich voll ungläubigen Staunens zurückließ. Bis zu diesem zauberhaften Augenblick hätte ich es nie für möglich gehalten, dass aus Weintrauben so etwas Köstliches entstehen kann.

Auch wenn diese „erste Liebe“ über die Jahre etwas eingerostet war, so habe ich doch, mit gewissen zeitlichen Abständen, immer wieder erstaunliche Weine aus dieser besonders in Franken populären Sorte verkosten dürfen. Momentan findet bei mir gerade so etwas wie ein kleines Bacchus-Revival statt. Heute möchte ich Ihnen eine leichte und frische Variante von den östlichen Ausläufern des fränkischen Weinbaugebietes vorstellen. Man könnte die hiesigen Lagen wie den „Steinbacher Nonnenberg“ und den „Ziegelanger Ölschnabel“, welche der Winzerhof Schick bewirtschaftet, durchaus als „cool climate“-Lagen bezeichnen. Und gerade in solchen etwas kühleren Lagen und klimatischen Verhältnissen fallen die Weine der Sorte besonders saftig und frisch aus.

Bereits die grüngelbe Farbe signalisiert Leichtigkeit und Frische. Der visuelle Eindruck wird dann auch im Duft sogleich bestätigt. Der Wein geht in seiner pflanzlich-würzigen Art schon fast etwas in die Sauvignon Blanc-Richtung. Neben den vegetabilen (Pflanzenstängel) und blättrigen Noten zeigen sich noch Anklänge von Stachelbeere und Kiwi sowie Eisbonbon. Zusätzlich schwingen noch hefige und mineralisch-würzige Noten mit. Insgesamt handelt es sich also eher um einen modernen Sortenvertreter denn um einen klassischen Bacchus. Dies tut der Klasse des Weines allerdings nicht im geringsten einen Abbruch.

Am Gaumen betört unsere Weinvorstellung dann mit seiner äußerst saftigen, feinherben Art. Mit seinem schlanken Körper – gerade einmal 10,5 % vol. Alkohol – kommt er dem Verlangen einer wachsenden Zahl gesundheitsbewusster Genießer nach leichten Weinen voll entgegen. Trotz seiner Leichtigkeit besitzt er aromatische Nachhaltigkeit am Gaumen. Am meisten schlägt die Eisbonbon-Note aus der Nase geschmacklich zu Buche. Die zarte Restsüße wird durch eine lebendige Säure in Zaum gehalten, so dass jegliche Gefahr der Behäbigkeit im Keim erstickt wird. Für einen sogennanten „Leichtwein“ fällt der Abgang mit seinen leicht phenolischen und hefig-würzigen Noten bemerkenswert lang aus. Das macht unglaublich Spaß und fällt für mich in die Kategorie „Terrassenwein“. Sicherlich kann es nicht schaden, ein paar Fläschen als „Frühlingsopfer“ im Keller zu haben. Jetzt muss er nur noch kommen.

 


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