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2015 Riejo Weißweincuvée

Weingut Hüßner, Wiesenbronn

Wie wir ja alle wissen, ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Man kennt viele Dinge und das Meiste um uns herum scheint vertraut. Von Zeit zu Zeit stößt man aber auch auf 2015-riejo-BxÜberraschendes. Und genau so ist es mir mit dem „Riejo“ vom Weingut Hüßner ergangen. Rebsortenmäßig kenne ich, so denke ich zumindest, die meisten Varietäten, welche in Franken kultiviert werden. Als ich aber das Etikett betrachtete und „Riejo“ las, bin ich zunächst stutzig geworden. Meine erste Assoziation war „Rioja“, aber das konnte ja nicht sein, immerhin handelt es sich um einen fränkischen Wein. Des Rätsels Lösung liegt in der Kreativität der Winzergattin begründet.

Als nämlich vor einigen Jahren die Erntemenge in einer jungen, mit der Rebsorte Johanniter bepflanzten Anlage durch Frühjahrsfröste dezimiert wurde, lohnte eine separate Abfüllung dieser Minimenge nicht und Thomas Hüßner entschied sich für einen Verschnitt mit einem geeigneten Cuvée-Partner. Nach einigem Hin- und Herprobieren entpuppte sich der Rieslaner als der beste Vermählunspartner. Michaela Hüßner hatte sofort den passenden Namen parat: „Riejo“ – denn es handelte sich um eine Cuvée aus Rieslaner und Johanniter. Der Wein kam super bei den Kunden an und so entschied man sich 2016, den Begriff als Wortmarke schützen zu lassen.

Doch wie präsentiert er sich denn nun eigentlich im Glas, unser „Riejo“?

Von der Nase her aromatisch und fruchtig, ohne aufdringlich zu sein. Er besitzt nicht die Rasse und exotische Frucht eines reinsortigen Rieslaners, sondern überzeugt durch Ausgewogenheit und fein verwobene Duftkomponenten, welche mich an Pfirsich, roten Apfel und Zitrusfrüchte erinnern. Das Ganze wirkt sehr abgeklärt und ist von einer feinen Würze unterlegt.

Am Gaumen gelingt der Balanceakt zwischen Fülle und aromatischer Konzentration einerseits und Frische und Leichtigkeit andererseits. (Rest-)Süße und Säure sind wunderbar austariert, so dass der Wein weder knochentrocken noch halbtrocken schmeckt. Mit 8,3 g/l Restsüße bewegen wir uns offiziell im deutschtrockenen Bereich. Mich überzeugt vor allem die geschmeidige, den Gaumen fast schon liebkosende Art dieser Cuvée. Die Säure setzt zum Auftakt am Gaumen einen Kontrapunkt, wird aber im Nachhall von der zarten Restsüße eingefangen und es ergibt sich zusammen mit einer leicht aufrauhenden, phenolischen Komponente ein komplexer Abgang. Der „Riejo“ ist süffig, ohne ins Gefällige abzugleiten. In diesem Fall passen Braut und Bräutigam perfekt zusammen. Erheben wir das Glas auf eine lange, erfolgreich Ehe!


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