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2016 Silvaner VDP.Ortswein

Weingut Schwab, Thüngersheim

Da wir es heute wieder einmal mit einem Wein eines VDP-Betriebes zu tun haben, möchte ich eingangs die Chance nutzen, um kurz auf das Klassifikationssystem des 2016-silvaner-trocken-BBVerbandes einzugehen. Pate hierfür stand die Bezeichnungs-Hierarchie im Burgund. Die Basis der Qualitäts-Pyramide bilden die Gutsweine, welche nur den Namen der Rebsorte tragen und keine weitere geographische Eingrenzung erfahren als den Namen des Anbaugebietes. Eine Stufe darüber sind die sogenannten Ortsweine angesiedelt. Hier wird die Gemeinde genannt, aus welcher die Trauben für den Wein stammen. Bei unserem Wein der Woche handelt es sich um einen Thüngersheimer Silvaner. Die nächste Stufe sind die Weine aus „Erste Lage“-Weinbergen (z. B. Thüngersheimer Scharlachberg). Das Pendant im Burgund sind die Premier-Cru Lagen. Die Spitze der Pyramide bilden schlussendlich die sogenannten „Großen Gewächse“. Sie stammen ausschließlich aus den besten Parzellen der „Große Lage“ genannten Spitzenlagen (z. B. Thüngersheimer Johannisberg mit dem Gewann bzw. der Parzelle „Rothlauf“). Analog zu den Grand Cru-Lagen im Burgund.

Da es sich bei dem heute vorgestellten Wein von Winzermeister Thomas Schwab um einen VDP.Ortswein handelt, können die Trauben aus sämtlichen Thüngersheimer Lagen stammen. Naturgemäß werden die Trauben für den Ortswein nicht in der „Großen Lage“ gewachsen sein, aber dennoch kann man als Konsument schon einen aussagekräftigen, charaktervollen Wein erwarten. Unter Umständen findet sich auch hin und wieder einmal sogar Lesegut aus „Ersten Lagen“ in einem solchen Wein.

Der 2016er Thüngersheimer Silvaner wartet im Glas mit einem jugendlich anmutenden Farbspiel auf: Ein glanzhelles Strohgelb mit grünlichen Reflexen begrüßt das Auge des Genießers. Die Nase deutet auf einen eher leichten bis mittelgewichtigen Sortenvertreter hin, da die Aromen frisch sind und keinerlei Überreife andeuten. Es dominieren ganz klar fruchtige Noten von Apfel und gelber Zitrone, sowie eine kühle, minzige Note. Die gesamte Ausprägung ist klar und frisch, so dass der sprichwörtliche Gebirgsbach vor dem inneren Auge auftaucht. Auch die silvanertypische, „erdige“ Note ist in dezenter Ausprägung vorhanden.

Am Gaumen wirkt der Thüngersheimer Silvaner straff und fokussiert. Der Wein ist keineswegs dünn, aber von der Anmutung her schlank und delikat. In Kunstbegriffen gesprochen handelt es sich eher um eine Skulptur von Giacometti denn von Botero. Die vive Säure gibt dem Wein Spannung und Zug am Gaumen, ist aber ungemein gut integriert. Mit 2,9 g/l Restzucker bewegen wir uns außerdem im „fränkisch trockenen“ Bereich. Dies sind in meinen Augen allerbeste Voraussetzungen für einen hervorragenden Essensbegleiter. In erster Linie zu Austern, gedünstetem Fisch und sonstigem Meeresgetier.


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