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2020 Father & Son – Die sanfte R.Evolution

Bei Father & Son muss ich zwangsläufig sofort an den berühmten Song von Cat Stevens denken. Gleich die erste Textzeile lautet: „It’s not time to make a change“. Ich weiß nicht, ob das bekannte Lied als Inspiration für den Namen des Weines gedient hat, aber ich weiß auf jeden Fall, dass die zitierte Textpassage nicht für das Weingut Ruppert gilt.

Vater Ewald Ruppert und sein Sohn Fred haben über die Jahre viel verändert und sind sehr innovationsfreudig. Vor allem, was den Anbau neuer Rebsorten anbelangt. Für einen Biobetrieb liegt es natürlich nahe, pilzresistente bzw. -tolerante Sorten anzubauen. So verwundert es nicht, dass mit Souvignier Gris, Muscaris, Sauvignac, Helios und Johanniter gleich fünf pilztolerante Neuzüchtungen angebaut werden.

So paradox es im ersten Moment klingen mag, aber manchmal besteht der Fortschritt im Rückwärtsgehen. Konkret in der Rekultivierung uralter, vom Aussterben bedrohter Rebsorten wie Adelfränkisch, Grünfränkisch, Kleinberger und Ahorntraube. Aber auch der für Franken mittlerweile als klassisch zu bezeichnende Müller-Thurgau wird hier seit der Gründung des Betriebes im Jahr 1981 angebaut.

Was Vater und Sohn Ruppert in der Monopollage „Kirchschönbacher Mariengarten“ auf die Beine gestellt haben, ist einfach nur lobenswert und hochspannend. Der vorhandene Weinlehrpfad mit seinen Rebsorten- und Thementafeln klärt über neue und alte Rebsorten und die Besonderheiten der Lage auf. Für thematisch Interessierte dürfte eine Abstecher in den Steigerwald allemal lohnen.

Lässt sich die Theorie des Lehrpfades doch auf genussvolle Weise hinterher ganz praktisch im Glas nachvollziehen bei einem Besuch im Weingut. Was die alten Sorten anbelangt so ist dies mit dem „Adelfränkisch ‚vom Creutz’“ und dem „Alten Fränkischen Satz“ möglich. Bei den PIWIs (pilzwiderstandsfähige Sorten) bieten sich Johanniter und Helios an.

Unser Wein vereint beide Welten. Es handelt sich um eine Cuvée aus dem altbewährten Müller-Thurgau und einer neuen Sorte, wahrscheinlich Johanniter.

Er stammt aus dem warmen Jahrgang 2020 und kommt mit blass strohgelber Farbe ins Glas. Der Müller-Thurgau-Anteil bringt eine zarte (Muskat-)Würze in den Wein. Insgesamt würde ich das Nasenbild als dezent fruchtig bezeichnen. Es drängen sich keine Aromen in den Vordergrund und rufen laut „hier, hier, hier“. In erster Linie nehme ich Noten von rotwangigen Aprikosen und reifem Apfel wahr. Auch eine an Wachs erinnernde Note, wie sie viele Chenin-Blanc-Weine von der Loire aufweisen, ist vorhanden.

Obwohl er nicht einmal ganz 12 % Vol. Alkohol hat, wirkt er am Gaumen gehaltvoll und kommt unheimlich rund und ausgewogen rüber. Vom Restzuckergehalt her ist der Wein mit 8,4 g/l zwar im Bereich trocken (< 9g/l), jedoch liegt die Säure etwas zu niedrig, so dass er als halbtrocken firmieren muss. Geschmacklich steht das Apfelaroma aus der Nase in Verbindung mit einer schönen, sowohl muskatigen als auch mineralischen Würze im Vordergrund. Der Abgang ist weich und von großer Harmonie geprägt, ohne langweilig zu sein. Wer harmonische Weißweine ohne krasse Säure und knallige Aromen mag, liegt hier goldrichtig. Er besitzt zwar nicht den vordergründigen Fun-Faktor, wie man ihn gemeinhin von einem Sommerwein erwartet, aber warum nicht einfach mal einen „ernsten“ Terrassenwein probieren. Das Zeug dazu hat er allemal.

Silvaner – Probier – Paket

Die Hochsaison beginnt beim Spargel in der Regel erst im Mai, wenn die Eisheiligen hinter uns liegen, denn Spargel braucht Wärme, um optimal zu gedeihen. Doch Spargel liebt nicht nur Wärme, sondern Spargel liebt auch Silvaner. Und Silvaner liebt Bleichspargel. Wie in jeder guten Beziehung lieben sich die Beteiligten gegenseitig.

Möglicherweise sind Sie über die Bezeichnung Bleichspargel zwei Zeilen weiter oben gestolpert. Es handelt sich hierbei um den weitverbreiteten, handelsüblichen Weißen Spargel, welcher unter der Erde wächst. Sobald die Köpfe die Erdoberfläche durchbrechen, werden die Stangen gestochen. Der grüne Spargel wächst hingegen oberhalb der Erde und bildet seine Farbe aus, da er dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt ist.

Grüner Spargel ist bissfester und hat einen kräftigeren, würzigeren, ja herzhaften Geschmack. Weißer Spargel tut sich eher durch seinen zarten und milden Geschmack hervor. Den kulinarischen “Perfect Match“ ergeben nach meinem Dafürhalten der elegantere Weiße Spargel und ein Glas fränkischer Silvaner mit seinem leicht erdig-mineralischen Geschmack.

Warum dies so ist, mag möglicherweise dieses wunderbare Zitat vom Autor des „Fröhlichen Weinbergs“, Carl Zuckmayer, illustrieren: “Wenn Du Kartoffeln oder Spargel isst, schmeckst Du den Sand der Felder und den Wurzelsegen, des Himmels Hitze und den kühlen Regen, kühles Wasser und den warmen Mist”. Wenn man einen fränkischen Silvaner trinkt, schmeckt man ebenso den Boden (Muschelkalk), den mineralischen Wurzelsegen der tief wurzelnden Rebstöcke und den Einfluss von Witterung und Klima in Form von Hitze und Regen.

Um Ihnen die Möglichkeit zu geben, das Geschriebene, sprich die Theorie der Harmonie von Speise und Wein, in die Praxis zu überführen, haben wir Ihnen ein Probierpaket mit drei unterschiedlichen Silvaner-Weinen geschnürt.

Alle drei Weine sind typische Vertreter der fränkischen Traditionsrebe, welche nachgewiesenermaßen bereits seit mindestens 1659 in unseren Breiten kultiviert wird, und seit einigen Jahren die Anbaustatistik in Franken anführt.

2020 Silvaner Kabinett trocken Prichsenstadter Krone
Weingut Kohles, Prichsenstadt

Der erste Silvaner aus unserem Paket stammt aus der Region Steigerwald und ist in der Prichsenstädter Lage „Krone“ gewachsen.

In der Nase präsentiert er sich nicht mit den vielfach anzutreffenden klassischen Silvaner-Aromen nach gelben Früchten (Birne, Quitte) oder auch Apfel, sondern mit leicht vegetabilen Noten von Zuckerschote und Erbse. Ebenfalls nicht untypische Aromen für die Sorte. Allerdings sind diese bei eher knapper Reife zu finden. Auch etwas Zitrusfrucht nehme ich wahr. Mit 12 % Vol. Alkohol und 1,5 g/l Restzucker handelt es sich um den leichtesten und gleichzeitig auch trockensten der drei Weine aus unserem Paket

Am Gaumen zeigt er sich straff und knackig. Die Säure ist auch analytisch am höchsten im Vergleich zu den beiden anderen Tropfen. Geschmacklich dominiert eine zitronige Frische in Verbindung mit einer leicht aufrauenden, tonischen (Tonic Water) Komponente. Der Wein ist vom Körper her leicht und seine frische, frühlingshafte Art macht ihn zum idealen Begleiter der pursten Variante des Spargelgenusses. Bissfest gegarter Spargel mit fränkischen Kartoffeln und sonst nichts. Allenfalls eine Vinaigrette mit etwas Zitronenabrieb könnte ich mir noch dazu vorstellen.

2020 Thüngersheimer Silvaner trocken VDP.Ortswein
Weingut Schwab, Thüngersheim

Das Weingut Schwab ist mittlerweile seit Jahrzehnten Mitglied im elitären „Verband der deutschen Prädikatsweingüter“ (VDP) und verfügt über – in den Ohren eines Weinliebhabers -durchaus wohlklingende Lagenbesitzungen. An dieser Stelle sind die beiden Thüngersheimer Toplagen „Scharlachberg“ und „Johannisberg“ zu nennen.

Bei unserem Wein handelt es sich nach VDP-Klassifikation (https://www.vdp.de/de/die-weine/klassifikation) um einen Ortswein. Dies bedeutet, die Trauben für unseren trockenen 2020er Silvaner stammen alle aus Thüngersheimer Lagen.

Der Wein kommt mit einer strahlenden, hellgelben Farbe ins Glas. Die Nase ist nicht so sehr von reifen Fruchtnoten charakterisiert als vielmehr von einer frühlingshaft anmutenden, floralen Komponente, welche assoziativ an den Gang über eine blühende Wiese mit zahlreichen Wildkräutern denken lässt. Von der fruchtigen Seite her sind vor allem Apfel und etwas Zitrusnoten wahrnehmbar.

Am Gaumen präsentiert sich der Thüngersheimer Silvaner fränkisch trocken mit dezentem Muskelspiel dank seiner 13% Vol. Alkoholgehalt. Die Säure ist eher weich und zurückhaltend, so dass der Eindruck eines harmonischen, runden Weines zurückbleibt.

Dürfte hervorragend zum Spargel mit Wiener Schnitzel oder auch einem „Päärle“ Hausmacher Bratwürste passen.

2019 Silvaner Kabinett trocken Wipfelder Zehntgraf
Weingut Lother, Wipfeld

Zum Abschluss verkosten wir einen Silvaner aus der Weinbaugemeinde Wipfeld im Landkreis Schweinfurt. Der Wein aus der bekannten Lage „Wipfelder Zehntgraf“ hat im Vergleich zu den beiden anderen Weinen aus unserem Probierpaket ein Jahr Reifevorsprung und stammt aus dem warmen Jahrgang 2019. Dies macht sich bereits im höheren Alkoholgehalt bemerkbar, welcher mit 13 % Vol. um einen Prozentpunkt höher liegt als beim ersten Wein.

Seine hellgelbe Farbe weist sogar noch zarte Grünreflexe auf, was nicht unbedingt auf ein fortgeschrittenes Reifestadium schließen lässt. Folgerichtig präsentiert sich die Nase zwar mit Noten reifer Früchte, aber nicht übermäßig gereift. In erster Linie nehme ich gelbfruchtige Anklänge wahr, welche an Birne und auch etwas an Quitte erinnern. Unterlegt sind diese Noten von der typischen Mineralität und Erdigkeit eines Franken-Silvaners.

Am Gaumen präsentiert er sich rund und harmonisch mit durchaus kräftigem Körper, fast schon „ein Maul voll Wein“. Auch Trockentrinker dürfte er mit seinen 2,8 g/l Restzucker zu begeistern wissen. Im langen Abgang spielt die harmonische Säure zwar eine eher untergeordnete Rolle, aber sie sorgt dennoch dafür, dass der Wein nicht in die Breite geht. Denn insgesamt handelt es sich um einen harmonischen, runden Silvaner mit einem smoothen Mundgefühl. Damit dürfte er sich hervorragend an das Essen anschmiegen und ein idealer Begleiter zu einem Hollandaise-geschwängerten Spargelgericht sein.

Insgesamt haben wir es mit doch recht unterschiedlichen Silvaner-Weinen aus unterschiedlichen Ecken Weinfrankens zu tun, welche auf genussvolle Art die Vielfalt der Rebsorte widerspiegeln und perfekt in die gerade beginnende Spargelzeit passen. Genießer-Herz, was willst Du mehr!

Probierpaket „Domina“

Mehr „Rotes Franken“ geht eigentlich kaum. Ein Probierpaket mit drei verschiedenen Weinen, alle aus der meistangebauten roten Rebsorte der Region gekeltert.

Auch wenn die Anbaufläche sowohl in Gesamt-Deutschland als auch in Franken in den letzten fünf Jahren leicht rückläufig war, so hat sich dennoch nichts an dem Fakt geändert, dass die Sorte in hiesigen Breiten ihr Refugium gefunden hat. Von insgesamt 354 Hektar Gesamtfläche entfallen erstaunlicherweise mit 311 Hektar knapp 88 % auf das Anbaugebiet Franken. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die überragende, regionale Bedeutung dieser roten Neuzüchtung aus Portugieser und Spätburgunder von Peter Morio aus dem Jahr 1927.

Anders als man in Anbetracht der beiden Elternsorten erwarten könnte, handelt es sich bei den meisten Domina-Weinen nicht um hellfarbige, elegante Rotweine, sondern, je nach Jahrgang, Lage, Ausbauweise und Ertrag, um dunkelfarbige, mittelkräftige bis kräftige Weine mit bisweilen markanter Tanninstruktur.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dass wir uns den drei Dominas aus unserem Probierpaket zuwenden. Die ersten beiden stammen aus dem sehr guten, aber nicht ganz so heißen Jahrgang 2019. Der Dritte im Bunde schließlich hat bereits ein Jahr Reifezeit mehr „auf dem Buckel“ und ist im (super)heißen Jahrgang 2018 gewachsen.

Rein von der Papierform her macht sich dies schon am Alkoholgehalt bemerkbar. Liegen die ersten beiden mit 12 bzw. 12,5 % Vol. Alkohol im „klassischen“ Bereich für ein eher nördliches Anbaugebiet (global gesehen), so wartet der Vertreter aus dem „Hitzejahr“ 2018 mit satten 13,5 % Vol. auf.

Wir dürfen gespannt sein, wie groß die Unterschiede im Glas sind und wie sie sich im Einzelfall konkret äußern. Beginnen wir mit dem leichtesten Wein und steigern uns dann bis hin zu dem Boliden aus dem Jahrgang 2018.

2019 Domina trocken Volkacher Ratsherr
Weingut Kirch, Volkach/Fahr

Der Einstieg in unsere Domina-Exkursion gestaltet sich schon einmal ganz nach meinem Geschmack. Ein wunderbar feinwürziger, Wärme und Behaglichkeit ausstrahlender Duft steigt beim ersten Schnuppern am Glas in die Nase. Spontan fühle ich mich an Zwetschgen-Röster erinnert, der mit einem Stück Zimtstange und ein oder zwei Nelken geköchelt wurde. Eine absolut fabelhafte, fast schon etwas weihnachtlich anmutende Nase.

Im Gaumenauftritt zeigt er sich absolut trocken (0,2 g/l Restzucker) mit sanftem Tanninbiss und guter Struktur. Die Frucht ist feinsäuerlich und erinnert an Schattenmorellen, aber ein Hauch von Schlehe, welcher eine herbe Note in den Wein bringt, ist ebenfalls vorhanden. Seine betont herbe Art, die kompakten Gerbstoffe und die feine Säure machen diese Domina zu einem idealen Speisenbegleiter. Nicht zu schwer, so dass Gefahr bestünde, die Vorzüge der Speise zu überdecken und nicht zu leicht, so dass Gefahr droht, dass er untergeht und platt gemacht wird durch das Essen. Da die Anmutung dieses feinen Tropfens doch eher eine herbstliche bis winterliche ist – und durchaus Lagerpotential vorhanden ist – würde ich noch ein paar Monate warten mit dem Öffnen der Flaschen und ihn dann zu kräftigen Gerichten wie Rouladen, einem Burgunderbraten oder zu einem Hasenpfeffer (Empfehlung des Weinguts) servieren.

2019 Domina trocken Sommerhäuser Ölspiel
Weingut Artur Steinmann, Sommerhausen

Der zweite Tropfen aus unserem Paket kommt mit klassisch rubinroter Farbe in Glas.

Die Domina aus der Basis-Linie wird beim Weingut Artur Steinmann im großen Holzfass ausgebaut. Dies macht sich bereits in der Nase in Form von würzigen Anklängen, welche an Wacholderbeere und Lorbeerblatt erinnern, bemerkbar. Von der Frucht her wirkt der Wein kühler im Vergleich zum Mitbewerber vom Weingut Kirch. Die klare und reintönige Frucht wird geprägt durch Noten von Kirsche, Pflaume und etwas Brombeere.

Der Gaumenauftakt ist durch eine pflaumig-würzige Frucht geprägt, welche sich im weiteren Verlauf in Richtung Sauerkirsche entwickelt. Der Wein präsentiert sich vom Körper her mittelkräftig mit durchaus präsenten, aber reifen Tanninen. Ich denke, eine gewisse Lagerzeit im Keller tut ihm auf jeden Fall noch gut, handelt es sich doch um einen noch relativ jungen Rotwein. Im Nachhall gesellt sich zu den bereits beschriebenen Eindrücken eine feine Bitternote, welche mich an die Lakritzschnecken aus meinen Kindertagen denken lässt. Ein in meinen Augen typischer und somit klassischer Sortenvertreter.

2018 Domina trocken – Ortswein
Weingut Römmert, Volkach am Main

Der dritte und letzte Wein aus unserem Domina-Paket ist farblich nahezu identisch mit dem Vorgänger-Wein aus Sommerhausen. Auch Rubinrot, aber einen Tick transparenter mit granatroten Aufhellungen zum Rand hin. Die Nase ist eine Wucht. Das Weingut Römmert schickt mit seiner 2018er Domina den fruchtbetontesten Vertreter unter den drei Weinen ins Rennen. Wir haben es hier mit einem echten „Nasenbären“ zu tun: Saftige Herzkirschen vereinen sich mit würzigen Brombeernoten und werden sanft umschmeichelt von einer betörenden Vanille-Note. Im Hintergrund lauert eine zarte Walderdbeernote, die sich aber nicht wirklich hervorzutreten getraut, sondern das Licht der Öffentlichkeit scheut.

Am Gaumen präsentiert er sich rund und geschmeidig oder smooth, wie der Anglo-Amerikaner sagen würde. Mit ihren soften Tanninen und ihrer feingliedrigen Säure präsentiert sich die Römmertsche Domina eleganter und insgesamt harmonischer als die beiden anderen Weine aus unserem Paket. Allerdings hat der Wein auch ein Jahr Reifevorsprung. Im Sinne der Vielfalt ist dies sehr zu begrüßen.

Geschmacklich ist vor allem die Kirschnote aus der Nase präsent am Gaumen. Auch hier finden sich ganz zart lakritzige Noten wieder, aber doch wesentlich weniger ausgeprägt als beim Vorgänger. Der relativ hohe Alkoholgehalt von 13,5% Vol. ist allerbestens in die Gesamtstruktur eingebunden und tritt in keiner Weise negativ in Erscheinung. Aufgrund seiner Eleganz würde ich ihn sogar zu Gans oder Ente probieren. Das Weingut empfiehlt ihn zu Fränkischem Sauerbraten mit Blaukraut und Klößen. Eine Top-Empfehlung.

So, nun liegt es an Ihnen Ihrem Entdeckerdrang nachzugeben und sich ein Ticket zu lösen für das Fach „Kulinarisch-vinologische Heimatkunde“. Sie sind herzlich eingeladen.

Regent Spätlese in der Literflasche!

Heute darf ich Ihnen wieder einmal eine Kreszenz aus dem „Outback“ des fränkischen Weinlandes vorstellen. Das Weingut Spengler ist in der 5.500 Einwohner zählenden Brunnenstadt Külsheim zu Hause, ungefähr auf halber Strecke zwischen Wertheim und Tauberbischofsheim. Geografisch befinden wir uns zwischen Tauber und Main am Rande des Odenwalds.

Die Winzerfamilie Spengler betreibt hier ihren Weinbau in dritter Generation. Weitere Standbeine sind die Vermietung von Ferienwohnungen und im Frühjahr und Herbst eine Heckenwirtschaft. Neben den fränkischen Klassikern Silvaner, Müller-Thurgau und Bacchus wird bei den weißen Sorten noch der Johanniter, eine pilztolerante Neuzüchtung aus dem Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg angebaut. Bei den roten Sorten sind neben dem Schwarzriesling noch Dornfelder, Cabernet Mitos und die Rebsorte für unseren „Wein der Woche“, der Regent, vertreten.

Eine, wie ich finde, bemerkenswerte Tatsache möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Mir ist aufgefallen, dass es wohl zur Betriebsphilosophie gehört, die Weine ausschließlich in der Literflasche anzubieten. Dies führt dann, falls es der Jahrgang hergibt, schon einmal zu Kuriositäten wie einer Auslese im Liter. Die Kunden dürfte es freuen, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis ist somit ausgezeichnet.

Dies gilt natürlich auch für unsere trockene Regent Spätlese aus dem „Hitzejahrgang“ 2018. Zumal der Wein als Spätlese mit 14,3 % Vol. tiefstapelt. Befinden wir uns doch bei knapp über 100 Grad Oechsle, welche die Trauben bei der Lese gehabt haben müssen, schon an der Grenze zu einer trockenen Auslese.

Von der Farbe her erinnert der „Wein der Woche“, spaßig ausgedrückt, an den Blick in einen der 18 Brunnen der Stadt, so dunkel und kräftig, wie diese anmutet. Die Külsheimer Weine stammen samt und sonders aus der Weinbergslage „Hoher Herrgott“, von welcher der Winzerhof Spengler nur einen Steinwurf entfernt ist.

Es handelt sich um einen, zumindest für eine Literflasche, extrem ungewöhnlichen Rotwein. Mir sind nicht viele Betriebe bekannt, welche eine satte Spätlese im Rotweinbereich auf Literflaschen füllen. Dieser Umstand dürfte vor allem dem sehr heißen, besonders für Rotweine hervorragenden Jahrgang 2018 zu verdanken sein, konnten hier die Trauben doch im Schnitt eine sehr hohe Reife erlangen.

Im Glas präsentiert er sich mit annähernd blickdichter, purpurroter Farbe. Die Nase bietet konzentrierte dunkle Beeren- und Steinfruchtaromen, welche von Schwarzkirsche über Zwetschge bis hin zu Blaubeere und Brombeere reichen. Eine „süßlich“ anmutende Vanillenote und würzige Anklänge von Lorbeerblättern und Lakritzschnecken runden die fruchtigen Eindrücke ab.

Am Gaumen sind die mehr als 14 „Umdrehungen“ gut in den Wein eingebunden, auch wenn er sie nicht gänzlich verbergen kann. Wir haben es eindeutig mit einem Kraftpaket zu tun. Die feinkörnigen, nur leicht austrocknenden Tannine verleihen unserer Spätlese einen schönen „Biss“ und sorgen für ein stützendes Korsett. Die Frucht tritt geschmacklich in erster Linie anhand einer dunklen Pflaumennote, welche durch Lakritze und Zartbitterschokolade (90 %) ergänzt wird, in Erscheinung. Der lange Nachhall wird dann schlussendlich von feinen Bitternoten geprägt. Ein echtes „Powerhouse“ von Rotwein, welches ich nicht unbedingt als Schoppen-Rotwein empfehlen würde. Aber zu Schmorgerichten (Gulasch, Rinderschmorbraten, Kalbsbäckchen) oder zu Wildgerichten findet er sein ideales Einsatzgebiet.

2020 Kerner Kabinett halbtrocken – Schmackofatz für unter 5 Euro!

Weingut Meyer, Winterhausen

Nachdem das Gros der hier präsentierten Weine sich im trockenen Bereich bewegt, stelle ich Ihnen heute zur Abwechslung wieder einmal einen halbtrockenen Schmackofatz-Wein vor.

Dass der halbtrockene Kerner von Familie Meyer trotz seiner deutlich schmeckbaren Restsüße zu keiner Zeit anbiedernd und auf Gefälligkeit getrimmt wirkt, liegt nach meiner Einschätzung hauptsächlich an der Tatsache, dass man die Sorte mit einiger Berechtigung als „kleinen Verwandten des Rieslings“ bezeichnen kann.

Ebenso wie dieser ist er in der Lage, säurebetonte, bisweilen sogar rassige Weine hervorzubringen. Dies mag insofern nicht verwundern, als es sich doch um eine 1929 von August Herold an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg aus Trollinger und Riesling gezüchtete Sorte handelt. Trotz seiner schwindenden Popularität – von einstmals fast 8.000 Hektar in ganz Deutschland sind nur noch etwa 2.300 übriggeblieben – zählt er für mich immer noch zu den wertvollen, anbauwürdigen Sorten. Wie ich zu dieser Ansicht komme, lässt sich, so denke ich, ganz gut mit unserem „Wein der Woche“ im Glas nachvollziehen.

Der Wein präsentiert sich mit jugendlich glänzender, grüngelber Farbe. Im Duft verströmt er eine schöne Frische mit kernertypischen Eisbonbon-Noten. Meine erste Assoziation ist meistens, wenn ich diese Note rieche, die eines klaren Gebirgsbaches. Doch auch die Frucht und sogar etwas Kräuteranspielungen kommen nicht zu kurz. Neben einer ausgeprägten Ananasnote treten noch Anklänge von reifem Apfel und Zitronenmelisse in Erscheinung. Abgerundet wird das Nasenbild durch einen Touch Hefe und Mineral.

Am Gaumen dominiert die exotische Komponente der Ananas, aber auch Zitrusaromen, welche in der Nase nicht deutlich in Erscheinung treten, prägen den Kerner Kabinett geschmacklich. Der Wein ist von einer großartigen Saftigkeit geprägt, welche durch das kongeniale, fein austarierte Zusammenspiel der moderaten Restsüße (13,8 g/l) und der perfekt dazu passenden, lebendigen Säure zustande kommt. Wunderbar leicht und beschwingt gleitet er über die Zunge. Mit 11,5 % Vol. Alkohol repräsentiert er die Prädikatsstufe Kabinett in idealer Art und Weise. Manchmal hat man es ja auch mit einer abgestuften Spätlese zu tun. Hier gilt quasi frei nach Tina Turner: What you drink is what you see (on the label).

Ach ja, falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Neben der saftigen Frucht sind der Geschmack und der Nachhall des Weiteren von der Eisbonbon-Note aus der Nase, frischen Gebirgskräutern und einer phenolischen Note (Tonic Water) geprägt. Die einzelnen Komponenten wie Alkohol, Restsüße und Säure sind perfekt ausgewogen und ergeben einen süffigen, überaus preiswerten Tropfen, welcher sich quasi von alleine „wegsüffelt“. Bei weniger als fünf Euro für die Literflasche kann man nur von einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen, wie ich finde.