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2014 Blauer Silvaner Spätlese trocken – Untereisenheimer Höll

Weinerlebnis Stühler, Eisenheim

Familie Stühler bewirtschaftet in der Urheimat der fränkischen Leitsorte Silvaner 5,5 Hektar Weinberge. Sie gehört zu dem relativ kleinen Kreis einheimischer Winzer, welcher den Blauen Silvaner als Spielart des landläufig bekannten Grünen Silvaners anbaut und somit zum Erhalt und der Verbreitung dieser Spezialität beiträgt.

2014-hoell-blauersilvaner-spaet-trockenMit gerade einmal 10 Hektar ist die Anbaufläche im Vergleich zum „normalen“ Grünen Silvaner mit seinen mehr als 1.200 Hektar verschwindend gering. Dank natürlich entstandener Mutationen gehören auch noch der „Gelbe Silvaner“ und der „Rote Silvaner“ zur Familie. Allerdings werden beide kaum reinsortig an- und ausgebaut, sondern stehen zusammen mit einer Vielzahl anderer Sorten in uralten Weinbergen im sogenannten „Gemischten Satz“ oder „Altfränkischen Satz“.

Im Glas schimmert die 2014er Spätlese vom Blauen Silvaner in einem zart rötlichen Mittelgold. Bereits in der Nase macht sich die hohe Reife der Trauben bemerkbar – der Wein hat immerhin 14% vol. Alkohol. Zur hochreifen Frucht von Birne, Reneclaude und Netzmelone gesellen sich im Duft zusätzlich noch würzige und fast schon salzig-mineralische Noten. Diese würzige Art bekommt dem Wein sehr gut, denn dadurch gelingt der Drahtseilakt, welcher meines Erachtens immer dann gegeben ist, sobald ein trockener Wein mit der Überreife flirtet.

Bereits in der Nase deutet sich als noch uneingelöstes Versprechen ein cremiger Schmelz an, den der Blaue Silvaner von Familie Stühler tatsächlich auch besitzt. Mit majestätischer Eleganz fließt er über die Zunge und schmeichelt dem Gaumen mit seiner harmonischen Art. Zweifelsohne ein Wein, der am königlichen Hofstaat an der Tafel des Regenten kredenzt worden wäre. Im Geschmack begeistert eine fabelhafte Würze, welche dafür sorgt, dass der Wein im Gesamteindruck nicht zu einlullend wird. Der Nachhall ist ellenlang und der relativ hohe Alkoholgehalt, welcher aber nie brandig wirkt, sorgt für einen geschmeidigen Fond am Gaumen. Ein toller Wein, den ich aufgrund seiner Opulenz unbedingt als Speisenbegleiter einsetzen würde. In erster Linie zu Edelfischen mit sahnigen Saucen.

2013 Thüngersheimer Solaris Auslese

Weingut Schwab, Thüngersheim

Gemäß dem selbst durch das Weingut gewählten Motto “Tradition mit Fortschritt verbinden”, präsentiere ich Ihnen heute einen Wein, welcher definitiv die fortschrittliche Seite des Thüngersheimer VDP-Betriebes herausstellt.

2013-thuengers-solaris-ausleseBei der pilztoleranten Rebsorte, welche 1975 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg durch Norbert Becker aus den Elternsorten Merzling und Geisenheim 6493 gekreuzt wurde, handelt es sich um eine Kreuzung neueren Datums. In Franken sind gerade einmal knapp sieben Hektar mit dieser „fortschrittlichen“ Rebsorte bestockt. Ihr Name leitet sich von „sol“, dem lateinischen Wort für Sonne ab.

Mit der 2013er Auslese von Thomas Schwab geht dann auch sprichwörtlich die Sonne im Glase auf. Der Wein besitzt einen strahlenden Glanz und fließt mit herrlich hellgoldener Farbe ins Glas. Man denkt automatisch an die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen, welche sich auf der Fensterbank brechen und den Winter in seine Schranken weisen. Auch in der Nase besitzt die Solaris Auslese eine geradezu suggestive Kraft. Im Vordergrund steht die betörend-exotische Frucht mit deutlichen Anklängen von reifer Ananas und Flugmango. Aber auch floral-kräuterige Noten kommen noch hinzu und steigern die Komplexität des Nasenbildes.

Am Gaumen präsentiert sich der Wein mit schmeichlerischer Eleganz und kommt wie auf Samtpfoten daher. Weder ist die Säure zu dominant noch die Restsüße zu klebrig. Wie beschreibt man diesen fantastischen Geschmackseindruck? Rund und ausgewogen trifft es wohl am besten. Eine Auslese, die ich auch als Schoppen trinken würde, habe ich nicht alle Tage im Glas. Aber Thomas Schwabs Exemplar gehört zweifelsohne dazu.

Da der Wein nicht granatenmäßig süß ist, würde ich ihn nicht als klassischen Dessertwein einsetzen, sondern eher als Begleiter zu einer schönen Käseplatte vom Affineur Ihres Vertrauens. Was für eine herrliche Auslese! Nicht nur für Sonnenanbeter!

2014 Riesling Spätlese Randersackerer Pfülben

Weingut Brand, Randersacker

Die 2014er Riesling Spätlese gehört zum „Premium Select“ benannten Top-Segment in der weingutsinternen Qualitätshierarchie und stammt zudem aus einer der fränkischen Spitzenlagen schlechthin, dem „Randersackerer Pfülben“.
Familie Brand legt „sehr großen Wert darauf, dass sich das Terroir in den Weinen widerspiegelt“.
2014-pfuelben-riesling-spaet-BBDies sollten eigentlich beste Voraussetzungen dafür sein, dass wir einen hochklassigen, fränkischen Riesling ins Glas bekommen.

Auf der einen Seite handelt es sich laut Etikett um eine Spätlese, welche allerdings nicht trocken ausfällt mit knapp über 13 Gramm Restzucker pro Liter. Andererseits weist der Alkoholgehalt von 14%vol. schon fast in Richtung Auslese was das Mostgewicht des Lesegutes anbelangt. Normalerweise haben solche Weine dann aber eher einen niedrigeren Alkoholgehalt und dafür mehr Restsüße.
Als Zwischenbilanz können wir also festhalten, dass es sich weder um eine trockene Spätlese, noch um eine süße Auslese handelt.

Bei ersten Riechen am Glas fallen sofort feine Honigtöne und eine rauchige, von der Botrytis (Edelfäule) herrührende, Note auf, welche dem Wein einen leichten Auslesecharakter verleihen. Neben der Frucht, welche eher in eine kandierte Richtung (Ananas, Zitrus) weist, finden sich auch noch pflanzlich-vegetabile Noten. Alle Komponeneten sind schön miteinander verwoben und bieten ein komplexes, ausgewogenes Nasenbild.

Am Gaumen kommt dann die rieslingtypische, von manchen Weintrinkern gefürchtete Säure zum Tragen. Spätestens jetzt ist Schluss mit Spekulationen auf einen Wein mit Auslesecharakter. Die prägnante, den Wein fast schlank erscheinend lassende Säure, verleiht ihm am Gaumen unzweifelhaft Spätlesecharakter. Man spürt den Restzucker zwar geschmacklich, aber durch die Säure als Gegengewicht wirkt der Wein supersaftig und trinkanimierend ohne sensorisch zu sehr ins Halbtrockene abzugleiten. Man hat fast das Gefühl in einen saftigen, rotwangigen, reifen Apfel mit betonter Fruchtsäure zu beißen. Vielleicht kennen Sie das ja, denn bei mir setzt dann unmittelbar der Speichelfluss ein und ich bekomme Lust auf den nächsten Schluck. Und vor allem auch Appetit. Diese Art von nicht ganz trockenen Riesling-Weinen eignet sich hervorragend als Speisenbegleiter zu asisatischer Küche. Eine Kokossuppe mit Zitronengras wäre sicherlich keine schlechte Wahl.

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2012 Weißer Burgunder Spätlese trocken – im Barriquefass gereift – Hammelburger Heroldsberg

“Müller! Das Weingut und Weinhotel“, Hammelburg

Etwas Skepsis hatte mich schon beschlichen vor dem Öffnen dieses Weines, ja das gestehe ich ganz freimütig. Schon zu oft habe ich (über)ambitionierte Weine im Glas gehabt, welche die geweckten Erwartungen nicht erfüllen konnten. Satte 14% vol. Alkohol laut Etikett, extraschwere Burgunderflasche und dann noch im Barrique ausgebaut. Würde ich gleich so einen fetten, überholzten Wein-Bodybuilder im Glas haben, der vor lauter Kraft nicht laufen kann? Der einen nach dem zweiten Glas zu Boden wirft wie ein japanischer Sumoringer?

2012-heroldsberg-weissburg-spaet-trockenIch bitte um Nachsicht lieber Winzer: Mea maxima culpa! Alles falsch, wie konnte ich nur so von deinem Baby denken? Ja Baby, denn das ist er noch dein 2012er Weißburgunder. Wo sich andere Weine aus diesem sehr guten Jahrgang bereits ihrem Höhepunkt nähern oder bereits auf dem absteigenden Ast sind, befindet sich dein Wein noch ganz am Anfang einer langen Entwicklung. So etwas hatte ich schon lange nicht mehr im Glas. Meine grundsätzliche Skepsis gegenüber barriqueausgebauten Weißweinen möchte ich an dieser Stelle gar nicht verhehlen. Aber wenn Winzer feinfühlig mit dem Instrument „Holzwürze“ umzugehen wissen und einen solch fantastischen Wein auf die Flasche bringen, dann bin ich der Letzte, der nicht von seinen Vorurteilen abrückt. Dann werde ich sogar zum Fan!

Schon die hellgelbe Farbe zeugt – trotz mittlerweile dreijähriger Reife des Weines – von seiner relativen Jugend. Das ist Holz vom Allerfeinsten in der Nase, keine erschlagenden Vanille- und Butterscotch-Aromen. Da ist auch ganz viel Frucht von reifer Williamsbirne, welche zusammen mit den Barriquearomen eine Einheit bildet und sich wie ein fein gewobener Teppich darbietet. Das ist in der Nase und auch am Gaumen so herrlich frisch und floral, sogar leicht mineralisch, dass man versucht ist, den Wein schneller zu trinken als es möglicherweise gut für einen ist.

Mit 2 Gramm Reszucker pro Liter ist der Wein auch absolut trocken. Oft relativiert leider ein „Restzuckerschwänzchen“ von 7 oder 8 Gramm die Qualität solcher Weine. Aber nicht hier. Die wunderbar harmonische Säure sorgt für Trinkfluss und Harmonie am Gaumen. Das ist „großes Kino“. Mit 13,50 Euro für die Flasche zwar nicht ganz billig, aber im eigentlichen Wortsinn preiswert. Dieser „Herold “ macht seinem „Dienstherrn“ alle Ehre!

2013 Chardonnay Spätlese halbtrocken Sommeracher Katzenkopf

Weingut Karl Braun, Nordheim

Der „Weltenbürger“ Chardonnay im fränkischen Exil, das allein entbehrt schon nicht einer gewissen Exotik. Aber dann auch noch als halbtrockene Spätlese … abgefahrener geht es aus meiner Sicht kaum noch, sind doch alle großen Chardonnays weltweit bedingungslos und ohne Ausnahme trocken ausgebaute Weine. Meine Vorfreude und gespannte Erwartung beim Öffnen der Flasche wachsen von Sekunde zu Sekunde. Wie wird sich ein solcher Wein, wo mir zugegebenermaßen ein Stück weit Erfahrungswerte und Vergleichsmaßstäbe fehlen, wohl präsentieren?

2013-chardonnay-spaet-htVon der Farbe her zeigt sich der Wein ungefähr so, wie man es von einer Spätlese aus dem Jahr 2013 erwarten kann: Ein helles Goldgelb mit leicht grünlichen Reflexen schimmert im Glas. Bezüglich der Fruchtaromatik werden meine Erwartungen an einen guten Chardonnay aus deutschen Landen mehr als erfüllt. In der Nase brilliert der Wein mit einem herb-exotischen Fruchtcocktail aus Physalis (Kapstachelbeere), Sternfrucht und einer Spur von Limette. Das Ganze wird durchzogen von einer feinen Würze und leicht rauchig-mineralischen Noten.

Am Gaumen schlagen die gut 13 g/l Restzucker nicht wie erwartet zu Buche. Der Wein schmeckt zwar nicht trocken, aber auch keineswegs halbtrocken. Eingefleischte „Trockentrinker“ sollten diesen Wein lieber meiden, aber alle anderen, etwas aufgeschlosseneren Weintrinker können sich ruhig einmal an diesen Exoten heranwagen.

Sein herrlich cremiger Schmelz verortet ihn ganz klar in der Burgunderecke. Auch geschmacklich kommt die exotische Frucht aus der Nase voll zum Tragen und wird durch einen feinen Säurekick sogar noch gesteigert.

Ich vermute an dieser Stelle, dass der Wein eigentlich durchgären sollte, aber die Gärung von alleine zum Stillstand gekommen ist. Solche „Betriebsunfälle“ ereignen sich mitunter und die betroffenen Winzer sind meistens nicht gerade glücklich darüber. Ich sehe das aber durchwegs positiv. Wenn Bacchus dies so gewollt hat, wer sind dann wir, den Willen der Götter anzuzweifeln? ¬– Zumal das Ergebnis ein toller Wein mit Exotenbonus ist!