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2015 Riesling Spätlese trocken

Weingut Weisensee, Sommerach

„Klein aber fein“ wäre bei einer Betriebsgröße von gerade einmal 2,5 Hektar zweifelsohne ein passendes Credo für das Weingut Weisensee aus Sommerach. Da man aber heutzutage mit einer solchen Betriebsgröße nur schwerlich seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, betreibt Inhaber-Familie Heidrich klassische Einkommensdiversifizierung. Neben dem Weingut wird von April bis Juni und von August bis Oktober eine Weinstube in bester Heckenwirtschaftsmanier betrieben. Außerdem steht ganzjährig eine geräumige Ferienwohnung für Urlauber und Touristen zur Verfügung.

Im Glas präsentiert sich die 2015er Spätlese vom Weingut Weisensee mit einem hellen Strohgelb. Bereits die Nase ist beim ersten Riechen am Glas ein Versprechen auf den weiteren Trinkgenuss. Das ist kein „verflüssigtes Gestein“, wie wir wir es heutzutage oft bei über die Maßen ausgereizter und ostentativ in den Vordergrund gestellter Mineralität, gerade bei der Rebsorte Riesling, vorfinden. Frei nach dem Motto: „Je weniger Frucht, desto besser.“

Nein, in unserem Fall haben wir es mit einem wohltuend fruchtigen, aber auch nicht übertrieben fruchtigen Sortenvertreter zu tun. Im Duft offenbaren sich sehr fein ausdifferenziert und in reintöniger Ausprägung klassische Aromen von Aprikose und Zitrusfrüchten. Ebenso schwingt ein Hauch noch etwas grüner, nur knapp reifer Ananas mit. Auch würzige und dezent mineralische Noten blitzen in der Nase auf. Aber diese begleiten lediglich die Frucht und stehen niemals im Vordergrund.

Am Gaumen fällt zunächst die reife, aber ganz rieslingtypisch höhere Säure auf, welche aber nicht aggressiv getönt, sondern gut in den zweifelsohne vorhandenen Extrakt eingebunden ist. Mit weniger als 4g/l Restzucker geht die Weisensee’sche Spätlese sogar als „fränkisch trocken“ durch. Die oft anzutreffende „Restzuckerschminke“ hat er auch absolut nicht nötig.
Am Gaumen begeistert die (trink)animierende, lebendige Art. Wenn so manche Spätlese in ihrer schweren, behäbigen Weise eher an einen Sumoringer erinnert, dann kommen mir bei unserem „Wein der Woche“ eher die leichten und flüssigen Bewegungen eines Balletttänzers in den Sinn. Im langen Nachhall kehren dann auch die Zitrusfruchtnoten aus der Nase wieder. Allerdings in abgewandelter Form, als zart ins Bittere gehende Zesten von Limette und Grapefruit. Auch ein Schuss mineralische Würze mischt sich unter die komplexen Geschmackseindrücke und rundet das Gesamtbild ab.

Ein wunderbarer Franken-Riesling.


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